Abgeltung für Kustodiate und Nebenleistungen (EDV-Kustos, Schulbibliothek, Schülerberater)

Kustodiate Schulbibliothek
IT-Kustos Schülerberater

Rechtsgrundlage: § 61b GG, § 22 VBG, § 9 BLVG, §59 Abs. 1 PG

Alle genannten Bestimmungen gelten für Beamte und Vertragslehrer im LDR alt in gleicher Weise.

Kustodiate:

Einem Lehrer, der für ein Schuljahr eine der angeführten organisationsmäßig vorgesehenen und tatsächlich bestehenden Lehrmittelsammlungen (Kustodiate) verwaltet oder eine der angeführten Nebenleistungen erbringt, gebührt in den Monaten September bis Juni des betreffenden Schuljahres (also zehnmal jährlich) eine monatliche Vergütung in folgender Höhe (Werte für 2020):

Wenn das Kustodiat oder die Nebenleistung von der Schulleitung mit einer Wochenstunde der Lehrverpflichtungsgruppe II bewertet ist:

a) für Lehrer der Verwendungsgruppen L1 und LPA 167,8 €,
b) für Lehrer der übrigen Verwendungsgruppen 142,4 €.

Wenn das Kustodiat oder die Nebenleistung von der Schulleitung mit einer Wochenstunde der Lehrverpflichtungsgruppe II bewertet ist:

a) für Lehrer der Verwendungsgruppen L1 und LPA 83,5 €
b) für Lehrer der übrigen Verwendungsgruppe 71,2 €.

Wird während eines Monats ein anderer Lehrer mit den oben genannten Tätigkeiten betraut, ist die Vergütung für diesen Monat unter den betreffenden Lehrern entsprechend der Dauer der Betrauung aufzuteilen. Für Kalendermonate, in denen diese Tätigkeit nicht ausgeübt wird, entfällt die Vergütung zur Gänze.

Bei Schularten mit einem gemäß Schulzeitgesetz abweichenden Verlauf des Unterrichtsjahres (Saisonunterricht, Berufsschulen etc.) gebührt die Vergütung für Nebenleistungen und Kustodiate beginnend mit dem ersten Monat des betreffenden Unterrichtsjahres, höchstens aber zehnmal pro Schuljahr (GehG 61 b/6).

Im Rahmen des „Autonomiepakets“ (Bildungsreformgesetz 2017) wurde ein flexiblerer Einsatz von Cash-Kustodiaten und Nebenleistungen beschlossen. (Nicht betroffen von der Neuregelung sind die Einrechnungen für IT-Betreuung, Erziehungs- und Schulveranstaltungsleitung etc. nach § 9 Abs. 3 BLVG.) Das Gesamtkontingent an Kustodiatsstunden je Bundesland soll grundsätzlich nicht verändert werden. Berücksichtigung findet lediglich eine Veränderung der Zahl der Schulstandorte.

Die Zuweisung der Kustodiatsstunden an die einzelnen Lehrpersonen durch die Schulleitung erfolgt autonom im Einvernehmen mit der PV (nach § 9 Abs. 2 PVG). Die Schulleitung kann dabei bis zu 15 % der hierfür zugewiesenen Ressourcen einer oder mehreren Lehrpersonen für Nebenleistungen übertragen. Dazu sind Kustodiate und Nebenleistungen mit halben oder ganzen (oder Vielfachen davon) Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II zu bewerten. Die frühere ebenfalls mögliche geringere Bewertung mit LVG V entfällt.

Eine weitere Aufteilung eines Kustodiats auf mehrere Personen (1/4, 1/3 Stunde etc.) ist ggf. in Form einer zeitlichen Aufteilung möglich (siehe oben: „Wird während eines Monates ein anderer Lehrer (…) betraut …“). So könnten sich etwa 2 Personen ein ½-stündiges Kustodiat semesterweise teilen – was über das Jahr gerechnet quasi einem ¼ Kustodiat entspricht. Zuständig für die geforderten Dienstleistung ist dann jeweils der Kollege, der zu einem bestimmten Zeitpunkt die Kustodiatsabgeltung erhält.

Mögliche Nebenleistungen:

  • Nebenleistungen, die in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit den nach dem Bundeslehrer- Lehrverpflichtungsgesetz durch Einrechnungen in die Lehrverpflichtung abzugeltenden Nebenleistungen stehen;
  • Nebenleistungen, die in der Verwaltung einer Schüler-, Lehrer- oder Fachbücherei bestehen;
  • sonstigen Nebenleistungen, die in einem Ausmaß bemessen sind, das höchstens einer Einrechnung von 2 Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II in die Lehrverpflichtung entspricht (zum Beispiel Bildungsberatung).

Maßgebend für die Bestimmung ist die aus der Nebenleistung erwachsende zusätzliche Belastung des Lehrers im Vergleich zu den durch Vergütung abgegoltenen Leistungen im Sinne des §61 b/1 des Gehaltgesetzes.

Auf die Vergütungen nach GehG 61 b sind die für die nebengebührenzulagenrechtliche Behandlung maßgebenden Bestimmungen des Pensionsgesetzes (PG 59/1) anzuwenden. Das heißt, die Zulagen für Kustodiate und Nebenleistungen werden als „Nebengebühren" (ebenso wie Mehrdienstleistungen) behandelt, mit denen man Nebengebührenwerte für die Nebengebührenzulage zum Ruhegenuss sammelt. Die Vergütung für Kustodiate begründet mithin einen Anspruch auf eine Nebengebührenzulage zum Ruhegenuss.

Im LDR neu verringert die Betrauung mit einem Kustodiat die Anzahl der zwingend vorgesehenen „+2 Stunden“ um eine Stunde.

Die Betreuung einer nach dem Modell „Schulbibliothek an höheren Schulen unter Mitarbeit von Schülern" eingerichteten Schulbibliothek an AHS (Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz, BLVG 9/2 a) wird durch eine Einrechnung in die Lehrverpflichtung abgegolten. Hiebei gelten je nach Größe der Schule und der Bibliothek folgende Einrechnungen:

  • 6 Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II (6,630 WE)für die Betreuung einer Schulbibliothek der Größenklasse 1 (bis 600 Schüler, rund 5.000 Bände, wöchentliche Öffnungszeit: 9 Stunden);
  • 7,5 Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II (8,288 WE) für die Betreuung einer Schulbibliothek der Größenklasse II (über 600 Schüler, rund 7.500 Bände, wöchentliche Öffnungszeit: 11 Stunden);
  • 9 Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II (9,945 WE) für die Betreuung einer Schulbibliothek der Größenklasse III (über 1.000 Schüler, rund 10.000 Bände, wöchentliche Öffnungszeit: 13,5 Stunden).

Das für die jeweilige Größenklasse festgelegte Einrechnungsausmaß erhöht sich für die Betreuung von Bibliotheken, zu deren Betreuungsbereich neben anderen Schülern zusätzlich Abendschüler gehören, sodass neben den Öffnungszeiten der Schulbibliothek tagsüber auch Öffnungszeiten an bestimmten Abenden erforderlich sind, in folgendem Ausmaß:

  • bei bis zu 100 Abendschülern um eine halbe Wochenstunde der Lehrverpflichtungsgruppe II (0,553 WE; zusätzliche wöchentliche Öffnungszeit: eine Stunde),
  • bei 101 bis 200 Abendschülern um eine Wochenstunde der Lehrverpflichtungsgruppe II 1,105 WE; (zusätzliche wöchentliche Öffnungszeit: zwei Stunden),
  • bei 201 bis 300 Abendschülern um eineinhalb Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II (1,658 WE; zusätzliche wöchentliche Öffnungszeit: drei Stunden),
  • bei 301 und mehr Abendschülern um zwei Wochenstunden der Lehrverpflichtungsgruppe II (2,210 WE; zusätzliche wöchentliche Öffnungszeit: vier Stunden).

Diese Regelung gilt für allgemeinbildende höhere Schulen mit Abendschülern ab 1. September 2005.

Gehört die Schule einem Schulzentrum an, für das eine gemeinsame Schulbibliothek (Bibliothek) eingerichtet ist, ist eine gesonderte Einrechnung für die Betreuung einer Schulbibliothek (Bibliothek) an dieser Schule unzulässig.

Das IT-Kustodiat wird gleichfalls durch eine Einrechnung in die Lehrverpflichtung abgegolten (je nach Zahl der SchülerInnen bzw. PC-Rechner).

Gemäß § 6 der „Verordnung des BMU vom 15. Dezember 2004, BGBI. 11 481/04 (= MVBI. 14/05), zuletzt geändert mit 1.9.2014, über die Einrechnung von Nebenleistungen in die Lehrverpflichtung der Bundeslehrer" ist (1) die pädagogisch-fachliche Betreuung von Informationstechnologie-Arbeitsplätzen (IT-Arbeitsplätzen) an AHS in dem in Abs. 2 angeführten Ausmaß in die Lehrverpflichtung einzurechnen.. Diese Betreuung umfasst im pädagogisch-fachlichen Bereich insbesondere:

  • die Betreuung von IT-Anlagen für alle Unterrichtsbereiche und pädagogische Maßnahmen am Schulstandort, vor allem auch hinsichtlich wichtiger und abschließender Prüfungen, und die Durchführung einer standortbezogenen Internetpolicy einschließlich einem Ausbildungsübereinkommen für die Schülerinnen und Schüler,
  • die unterrichtsorganisatorische Betreuung des IT-Unterrichts und die Umsetzung einer zeitgemäßen Medienpädagogik,
  • die Betreuung der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler im e-learning-, Web- und IT-Betrieb der Schule unter besonderer Beachtung von Sicherheitsmaßnahmen inventarisierter IT-Arbeitsplätze,
  • die Mitwirkung am facheinschlägigen Beschaffungswesen sowie
  • die organisatorische Betreuung von Notebook- und Netbookklassen.

(2) Das Ausmaß der Einrechnung in die Lehrverpflichtung beträgt für

Schulen mit
SchülerInnen
Werteinheiten
bis 200 2,5
201 bis 400 3,3
401 bis 500 3,75
501 bis 600 4,2
601 bis 700 4,65
701 bis 800 5,1
801 bis 900 5,55
901 bis 1000 6
1001 bis 1100 6,45
1101 bis 1200 6,9
1201 bis 1300 7,35
1301 bis 1400 7,8
1401 bis 1500 8,25
1501 bis 1600 8,7
1601 bis 1700 9,15
1701 bis 1800 9,6
1801 bis 1900 10,05
1901 bis 2000 10,5
2001 bis 2100 10,95
2101 bis 2200 11,4
2201 bis 2300 11,85
2301 bis 2400 12,3
2401 bis 2500 12,75
2501 bis 2600 13,2
2601 bis 2700 13,65
2701 bis 2800 14,1
2801 bis 2900 14,55
2901 bis 3000 15
3001 bis 3100 15,45
mehr als 3100 17

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler bemisst sich für das jeweilige Schuljahr auf Grund der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler zum Stichtag der österreichischen Schulstatistik zum vorangegangenen Schuljahr für die betreffende Schulart. Mit den oben angeführten sich an der Anzahl der Schülerinnen und Schüler bemessenden Werteinheiten gelten die gleichfalls mitzubetreuenden Lehrkräfte als berücksichtigt.(VO 6/2).

(3) Für die pädagogisch-fachliche Betreuung von IT-Arbeitsplätzen an einem Schulstandort mit einer IT-Fachrichtung oder einem IT-Ausbildungsschwerpunkt oder für Schulen mit einem IT-Schwerpunkt im Umfang von insgesamt mindestens zusätzlichen sechs Wochenstunden gebührt eine (zusätzliche) Einrechnung in die Lehrverpflichtung von 1,105 Werteinheiten. (VO 6/3)

(4) Für die pädagogisch-fachliche Betreuung von im Unterricht verwendeten Lernplattformen (LMS-Systemen) wie beispielsweise Moodle oder dotLRN, wenn mindestens die Hälfte der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte eines Schulstandortes mit LMS-Systemen verwaltet werden, gebührt eine (zusätzliche) Einrechnung in die Lehrverpflichtung von 1,105 Werteinheiten. (VO 6/4)

(5) Zur Ausübung der IT-Betreuung ist eine entsprechende fachliche Eignung durch einen facheinschlägigen Studienabschluss, durch den Nachweis einer mindestens dreijährigen
facheinschlägigen Tätigkeit in der Schule oder Wirtschaft oder entsprechende IT-Zertifikate, die sich auf eine Betreuung von komplexen IT-Anlagen beziehen, nachzuweisen. Überdies ist je Schuljahr eine facheinschlägige Weiterbildung im Ausmaß von 15 Stunden zu absolvieren. (VO 6a/6)

(6) Die Einrechnungen in die Lehrverpflichtung gemäß Abs. 4 und 5 gebühren zusätzlich zu den sich gemäß den Abs. 1 und 2 für die genannten Schulen ergebenden Einrechnungen. (VO 6a/7)

§ 9: Sind an einer Schule mehrere Lehrer mit der Betreuung von IT-Arbeitsplätzen befasst, so sind die Einrechnungen auf diese Lehrer unter Bedachtnahme auf die übertragenen Aufgaben aufzuteilen.

§ 10: Werden dieselben IT-Arbeitsplätze von mehreren Schulen gemeinsam benutzt, so darf die Gesamteinrechnung nur einmal erfolgen, wobei die Schülerinnen und Schüler der betreffenden Schulen zusammenzuzählen sind.

Nach § 9 BLVG kann der Schulleiter unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Belastung der Lehrer durch die Nebenleistungen eine andere Verteilung der Einrechnungen vornehmen, die für die betreffende Schule nach den Bestimmungen des BLVG oder einer auf Grund dieses Bundesgesetzes erlassenen Verordnung vorgesehen sind. Er hat hiebei im Einvernehmen mit dem Dienststellenausschuss vorzugehen.

Zusätzlich kann der Schulleiter für die pädagogisch-fachliche Betreuung der für den lehrplanmäßigen Unterricht verwendeten Informationstechnologie-Arbeitsplätze an mittleren und höheren Schulen

  • mit mindestens 11 Klassen eine Einrechnung von einer Wochenstunde,
  • mit mindestens 20 Klassen eine Einrechnung von zwei Wochenstunden,
  • mit mindestens 30 Klassen eine Einrechnung von drei Wochenstunden,
  • mit mindestens 40 Klassen eine Einrechnung von vier Wochenstunden

der Lehrverpflichtungsgruppe II je Schule in die Lehrverpflichtung eines Lehrers oder mehrerer Lehrer vornehmen. Der Schulleiter hat hiebei im Einvernehmen mit dem Dienststellenausschuss vorzugehen. Bei der Inanspruchnahme dieser Einrechnung verringert sich der Anspruch auf Vergütung für Kustodiate (§ 61b GehG) im selben Ausmaß an Wochenstunden.

Abgeltung für Schülerberater

Die Vergütung für Bildungs- bzw. Schülerberater begründet (wie die Abgeltung für Kustodiate oder jene für die Klassenvorstandsfunktion) einen Anspruch auf eine Nebengebührenzulage zum Ruhegenuss.

Auf Vertragslehrer des Entlohnungsschemas 1 L sind gemäß Vertragsbedienstetengesetz (VBG) 41/4 die Vergütung für die Führung der Klassenvorstandsgeschäfte und die Vergütung für Kustodiate und Nebenleistungen in gleicher Höhe wie für pragmatisierte Lehrer analog anzuwenden.

Ebenso gebühren den Vertragslehrern des Entlohnungsschemas 11 L die Vergütungen für die Führung der Klassenvorstandsgeschäfte und die Vergütungen für Kustodiate und Nebenleistungen in gleicher Höhe wie den pragmatisierten Lehrern (VBG 44 e).

Siehe auch "Abgeltung Kustodiat und Ordinariat" (PDF-Datei)

Zuletzt aktualisiert: August 2020


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